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Netzhaut stellt die innere Zeit ein
In der medizinischen Forschung mehren sich die Hinweise, dass das Auge als doppeltes Sinnesorgan nicht nur für das Sehen, sondern auch für die Zeit zuständig ist.
Dazu gibt es in der Netzhaut neben Zapfen und Stäbchen wahrscheinlich einen dritten Typ aufnehmender Zellen (Rezeptoren), der für die Registrierung der äußeren Tagesperiodik zuständig ist. Dies beschreibt Dr. Thomas Erren von der Universität Köln in einer aktuellen Veröffentlichung.
Wie wichtig es für den Körper ist, auf die äußere Tageszeit eingestellt zu sein, zeigt sich dann, wenn er es nicht mehr ist. Nach einem Flug über Zeitzonengrenzen hinweg muss der innere Rhythmus auf den veränderten Wechsel von Tag und Nacht eingependelt werden. Das ist anstrengend: Der Reisende hat einen Jetlag. Wieder ins rechte Lot kommt er dadurch, dass das Auge als Schrittmacher für seinen Biorhythmus dient, indem es dem Gehirn die lokale Zeit mitteilt. Über eine Nervenbahn ist die Netzhaut direkt mit den Strukturen im Hypothalamus (wichtiges Steuerzentrum für die Körperfunktionen) verbunden, von denen aus die Aktivitäts- und Ruhephasen des Menschen gesteuert werden.
Während also im Auge der Zeitgeber sitzt, findet die Umsetzung des ‚eichenden’ Signals im Hypothalamus statt. In dieser Hirnregion sitzt die innere Uhr und veranlasst - vereinfacht gesagt - die Zirbeldrüse, das jeweils richtige Hormongemisch für Wachen oder Schlafen zusammenzustellen. Eines der Hormone ist das Dunkelheitshormon Melatonin. Dessen Ausschüttung wird ab einer gewissen Lichtintensität gehemmt. Dieser körpereigene Wirkstoff ist für einen erholsamen Schlaf wichtig und erhält von dem Kölner Forscher besondere Aufmerksamkeit. Erren vermutet, dass Melatonin gewissen Arten von Krebs, insbesondere Brustkrebs, vorbeugt. Menschen die nachts arbeiten, könnte dieser Schutz fehlen.
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